19. Wettfahrttag
So, nach der kleinen Pause gestern seid Ihr doch bestimmt wieder voll dabei.
Heute wird es ziemlich spannend.
Teamrace ist angesagt.
Zur Erinnerung: im Teamrace geht es nicht darum sein Match zu gewinnen und erstes Boot des Rennens zu werden, sondern es geht um den Sieg des eigenen Teams.
Jedes Boot bekommt gemäß seiner Platzierung die gleiche Punktzahl für die Wertung. Das Team mit der niedrigeren Punktzahl gewinnt. Bei Punktgleichstand wird das Team mit dem ersten Platz benachteiligt und verliert das Rennen.
Lest also nun die spannende Geschichte eines Team Race auf der Alster und helft Kunibert herauszufinden welches Team am Ende dieses Match gewonnen hat.
Was für ein wunderbarer Samstag – die Sonne strahlt vom blauen Himmel, ein paar weiße Schäfchenwölkchen ziehen vorbei, es ist für September ungewöhnlich warm und ein laues Lüftchen weht. Kunibert sitzt auf seiner Lieblingsparkbank und träumt vor sich hin. Wieder einmal sind seine Gedanken bei seinem Urgroßvater Erich-Albert, dem berühmten Kap Hoornier. Seit damals ist die Familie eng mit der Seefahrt verbunden. Kunibert träumt gerade davon, wie nach tagelanger Weite des Ozeans endlich wieder Land in Sicht ist, die Segel schlagen im Wind, Kommandos schallen über Deck. „Raum, Raum – hier kommst du nicht rein“. Kinderstimmen reißen Kunibert jäh aus seinen Träumen. Mitten auf der Alster tummelt sich ein Haufen Kinder in ihren Optis, alle mit verschiedenfarbigen Leibchen über ihren Segelsachen. Deshalb liebt Kunibert diesen Platz so sehr – immer gibt es etwas zu gucken und die kleinen Segler zu beobachten ist natürlich fast so aufregend wie von Kap Hoorn zu träumen. Flugs zaubert Kunibert ein Fernglas aus seinem Rucksack (Erich-Alberts Urenkel würde nie ohne Kompass und Fernglas das Haus verlassen…). Schnell wird klar, dass die Kinder nicht nur trainieren, sondern dass es richtig um die Wurst geht. Doch es starten nicht alle gemeinsam, sondern immer 8 Boote mit je 4 gleichfarbigen Leibchen kämpfen um die beste Startposition. Kunibert erinnert sich an einen Italienurlaub vor vielen Jahren, da hat er so etwas schon einmal gesehen – es scheint ein Teamrace zu sein, eine besonders spannende Form des Um-die-Wette-Segelns. Je vier Kinder bilden ein Team und müssen gemeinsam weniger Punkte ersegeln als ihre Gegner. Man darf sich helfen und die andere Mannschaft innerhalb der Regeln behindern. Wirklich toll, wie die Jungs und Mädels auf dem Wasser ihre kleinen Boote beherrschen. Schnell hat Kunibert einen blonden Jungen ausgemacht, der ihn an seinen Enkel Peter erinnert. Er gehört zur Mannschaft mit den gelben Leibchen und segelt gemeinsam mit einem Mädchen mit zwei lustigen Zöpfen, einem sehr kleinen Jungen mit knallgrüner Mütze und einem etwas größeren, der offenbar der Teamchef ist und sein Pokerface hinter einer riesigen Sonnenbrille versteckt. Die Gelben nähern sich der Startlinie, offenbar sind die gefährlich aussehenden „Schwarzen“ ihre Gegner, Kunibert ist ganz aufgeregt und fiebert mit. „Peter“ hat einen Moment nicht aufgepasst und schon hat er einen „Schwarzen“ an seinem Heck kleben. Wie soll er sich nur befreien. „Bleib doch stehen“ denkt Kunibert bei sich, doch „Peter“ entfernt sich mit seinem Gegner immer weiter vom Start und trotz zahlreicher Luv-, Wenden- und Halsenversuche gelingt es ihm nicht, sich zu befreien. Plötzlich dreht der Schwarze ab, kurz danach ertönt das Startsignal und „Peter“ überquert als allerletzter die Startlinie. „Nur nicht aufgeben mien Jung, da ist noch alles drin“! Kunibert drückt „seinem“ Team die Daumen. „Zöpfchen“ und „Frosch“ haben einen prima Start erwischt und liegen in Luv vor dem Feld. „Brille“ klebt im Mittelfeld, kann sich aber nach einer spektakulären Zehnfachwende von seinem unmittelbaren Gegner lösen und segelt frei einer schönen Böe entgegen. Auch Peter ist es gelungen, fast unbemerkt auf der rechten Seite einen Windstrich zu erwischen und der Abstand zum Feld schmilzt. Auf dem Weg zur Luvtonne kommt es ständig zum Führungswechsel; nicht jede Unterwendung gelingt und ein ums andere mal werden Anfeuerungsrufe laut, um die eigene Mannschaft wieder in Führung zu bringen. Zöpfchen erreicht die Tonne als erste, doch statt diese schnell zu runden, bleibt sie erstmal auf ackbordbug stehen. Sie wartet auf den nächsten Schwarzen, der die Tonne bereits anliegen kann, zieht wieder an, ruft Raum, schwarz muss wenden und beide fahren in die falsche Richtung davon. Durch die Lücke kann Frosch um die Tonne huschen, Zöpfchen wendet wieder und das gelbe Team geht mit Platz eins und zwei in Führung. Doch wo bleiben Peter und Brille? Beide sind eingeklemmt zwischen den Gegnern und obwohl sie als fünfter und sechster die Luvtonne gerundet hatten, haben sie große Schwierigkeiten, sich der Übermacht zu erwehren; die beiden von hinten kommen immer dichter und die beiden vor ihnen bremsen sie geschickt aus. „Wartet da vorn, wir brauchen Hilfe, allein schaffen wir es nicht“, hört Kunibert Brille rufen. Das gelbe Führungsduo parkt also an der nächsten Tonne ein; Frosch geht schon mal rum und bringt sich in eine geschickte Ausgangsposition für einen Luvkampf. Die Schwarzen scheinen hilflos, sie sehen das Unheil zwar nahen, haben aber offenbar keine Idee, wie sie ihm entkommen können. Schwarz 1 parkt hinter Zöpfchen; Schwarz 2 fährt einen größeren Bogen und kommt an den Parkenden vorbei, doch oh weh, da wartet ja der Frosch…. Mit einer Geschwindigkeit, die Kunibert dem kleinen Knirps gar nicht zugetraut hatte, beginnt dieser den Luvkampf; der Schwarze hat keine Chance und laut jubelnd ziehen Peter und Brille vorbei. Frosch sortiert sich auf Platz drei wieder ein, Zöpfchen ist fünfte. Gelb strahlt mit der Sonne um die Wette. So ein gelungener Angriff! Doch was nun?: Die Schiffe werden immer langsamer, der Wind schläft ein. „Nicht doch jetzt! – sie sind ja schon fast im Ziel, das ist doch nicht fair….“ Kunibert knurrt leise vor sich hin. Offenbar hat der Wind ein Einsehen, es briest wieder auf, doch leider wie es beim Vorwindkurs so ist, die letzten haben die Böen zuerst…. Schwarz holt auf; alle zusammen erreichen als Pulk die letzte Tonne. Ein schwarzer kann innen lang huschen und geht in Führung. Frosch nimmt die Verfolgung auf, dicht hinter ihm ein weiterer „boy in black“. Zöpfchen und Brille verwickeln die anderen beiden Schwarzen in ein Wendenduell, so dass sich Peter, der gerade noch letzter war, auf Position vier vorschieben kann. Alles scheint in Butter, da rutscht Brille bei einer Wende aus, übernimmt Wasser und verliert Geschwindigkeit. Nun geht alles so schnell, dass Kunibert kaum folgen kann. Die ersten vier überqueren ohne weitere Positionsverschiebung die Ziellinie, Zöpfchen gibt alles und schafft es, den dritten schwarzen eine halbe Länge hinter sich zu lassen. Brille legt ein furioses Finale hin, fast könnte man meinen, er hätte eine Zusatzmotor, er segelt mit seinem Gegner auf Steuerbord am Ziel vorbei, lässt ihn nicht wenden und kann sich so ganz knapp vor ihn schieben. Alle sind im Ziel, niemand jubelt. „Potz blitz und Wasserschlange – wer hat denn nun eigentlich gewonnen“? Kunibert kratzt sich am Kopf, schon seit die Kinder die letzte Tonne passiert haben, läuft er nervös auf und ab. Und da ihm auch nach reiflicher Überlegung nicht klarer wird, ob sich sein Daumendrücken gelohnt hat, beschließt Kunibert etwas für ihn gänzlich ungewöhnliches zu tun: er macht sich auf den Weg zum anderen Alsterufer, um beim Veranstalter der Regatta das Ergebnis „seiner“ Kinder nachzufragen. Da muss das Samstags-Kaffe-Trinken mit den anderen alten Seebären heute noch ein bisschen warten. Denn das hier hätte auch Erich-Albert genau wissen wollen….
Na, den Weg zum anderen Alsterufer hätte Kunibert sich doch wohl sparen können wenn er Euch hätte fragen können.
Ihr wisst doch sicher ganz genau wer dieses Team Race gewonnen hat.
| M | Team Schwarz oder | |
| N | Team Gelb ? |









